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Pioniere des Impact Investing

22. Februar 2021

Lesezeit: 12 Minuten

von Sidi Staub und Laura Gianesi, LGT

Pal Erik Sjatil Lightrock

Lightrock, ein Schwesterunternehmen der LGT, will die weltweite Nummer eins im Impact Investing werden. Managing Partner und CEO Pal Erik Sjatil spricht mit MAG/NET über die sozialen und finanziellen Renditen von Impact Investments und welche Firma er besonders bewundert. 

Lightrock ist ein globaler Impact Investor. Zunächst einmal: Was ist Impact Investing?
Impact Investing bedeutet im Wesentlichen, zielgerichtet in eine bessere Zukunft zu investieren. Die Absicht dahinter ist, neben einer finanziellen Rendite eine positive, messbare und langfristige Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt zu erzielen. Der Investor verpflichtet sich, die Wirkung der Investitionen zu messen und darüber Rechenschaft abzulegen. 

"Impact" und "positive Wirkung" klingen recht abstrakt und sind in vielen verschiedenen Bereichen möglich – auf welche konzentrieren Sie sich?
Wir stellen denjenigen Unternehmen Kapital zur Verfügung, die mit innovativen Geschäftsmodellen dazu beitragen, die drängendsten Herausforderungen unserer Welt zu lösen. Wir konzentrieren uns auf drei Hauptthemen: Mensch, Planet und Produktivität bzw. Technologie für den guten Zweck; also "people, planet and productivity/tech for good". Innerhalb dieser Themen investieren wir in Unternehmen, die skalierbare, oft technologiegetriebene Lösungen in Sektoren wie Bildung, Gesundheit, erneuerbare Energien und Nahrungsmittel entwickelt haben.

Können Sie ein Unternehmen nennen, das Sie persönlich besonders inspirierend finden? 
Es ist schwer, nur eines auszuwählen. Aber ich würde gerne Togetherall hervorheben, ein Unternehmen, dessen Dienstleistungen während der Pandemie unglaublich wichtig geworden sind. Togetherall ist eine rund um die Uhr verfügbare, sichere Online-Community für Menschen mit psychischen Problemen. Auf die eine oder andere Weise haben wir alle erlebt, wie die Zahl der Menschen, die gestresst, ängstlich oder niedergeschlagen sind, in Zeiten von Covid-19 dramatisch zugenommen hat. Togetherall kombiniert psychologische Expertise, innovative Technologie und eine sichere Community, um den Nutzern rund um die Uhr Kurse und persönliche Unterstützung anzubieten. Während des ersten Lockdowns in Grossbritannien hat Togetherall eine verdoppelte Zunahme an Nutzern verzeichnet. 

Lilium
Eines von Lightrocks "unicorns": Lilium, das deutsche Lufttaxiunternehmen. © Lilium

Warum haben Sie sich entschieden, ins Impact Investing einzusteigen? 
Das Zusammenspiel von Wachstum, Technologie und Impact finde ich sehr faszinierend. Ich bin überzeugt, dass dieses in Zukunft noch wichtiger werden wird. Und ich wage zu behaupten, dass früher oder später alle Investitionen nach ihrem positiven oder negativen Einfluss auf diese Welt beurteilt werden. Ich freue mich darauf, diese Entwicklung in meiner neuen Rolle voranzutreiben und zu einer nachhaltigeren Form des Kapitalismus beizutragen. 

Sie haben sich zum Ziel gesetzt, ein weltweit führender Anbieter im dynamisch wachsenden Bereich des Impact Investing zu werden. Wo steht Lightrock heute? 
Die Impact-Investment-Aktivitäten von Lightrock begannen 2007 – damals gab es den Begriff "Impact Investments" noch gar nicht. Lightrock gehörte zu den Pionieren. Heute verwalten wir ein Portfolio von mehr als 60 wachstumsstarken Unternehmen weltweit. Das ist eines der grössten impact-orientierten Wachstumsportfolios in Europa, Lateinamerika und Indien. Einige unserer Portfoliounternehmen sind inzwischen zu "unicorns" geworden, wie z.B. CMR Surgical, das Minimal Access Surgery dank Robotik mehr Menschen zugänglich macht, oder Lilium, ein nachhaltiges Luftfahrtunternehmen.

Über welche Art von Investitionen reden wir und welche Beträge investieren Sie üblicherweise?
Lightrock bietet direktes privates Beteiligungskapital für Unternehmen in der Wachstumsphase. Normalerweise liegen unsere Investitionen in der Höhe von 20 bis 75 Mio. USD, können aber auch bis zu 100 Mio. USD betragen. 

Infarm
So könnte die Zukunft auch aussehen: Kräuter und Pflanzen von Infarm, einem der weltweit am schnellsten wachsenden Netzwerke für urbane Landwirtschaft, und eine der Portfolioorganisationen von Lightrock. © Infarm

Inwiefern hat die Pandemie die Aussichten für Impact Investing verändert?
Sie erwarten wahrscheinlich, dass uns die Pandemie zurückgeworfen hat, wie die meisten Unternehmen weltweit. Das war aber nicht der Fall.  Bis jetzt hat die Pandemie einen positiven Effekt auf Impact Investitionen gehabt. 

Wie überraschend! 
Ist es das wirklich? Tatsächlich hat die Covid-19-Krise nochmals sichtbar gemacht, wie wichtig ein überlegter Einsatz von Kapital wirklich ist. Erste Branchenanalysen weisen darauf hin, dass ESG-Investitionen – eine weitere Form des nachhaltigen Investierens – während des Covid-19-Marktcrashs stabiler waren. Die Pandemie hat das Anlegerinteresse an Impact Investitionen auf der ganzen Welt weiter gefördert. 

Ich nehme an, Sie haben bei Lightrock die gleichen Beobachtungen gemacht? 
Ja, das haben wir. Wir verdanken den Erfolg auch unserer Nähe zu unseren Portfoliounternehmen: Als die Pandemie die verschiedenen Regionen erreichte, begannen wir, noch enger mit unseren Unternehmen zusammenzuarbeiten. Gemeinsam mit ihrem Management konzentrierten wir uns auf die Stabilisierung des Betriebs und der Finanzen. 

Sind es also die stabilen und innovativen Unternehmen, die die Krise überleben?
Nicht nur überleben. Ja, die Geschäftsmodelle der meisten unserer Portfoliounternehmen haben sich mittelfristig als sehr widerstandsfähig gegenüber der Pandemie erwiesen. Was aber noch interessanter ist: In einer Post-Covid-Welt steigen die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen dieser Unternehmen sogar.

CMR Surgical
So könnten minimalinvasive chirurgische Eingriffe in Zukunft aussehen. Der Roboter von CMR Surgical. © CMR Surgical

Haben Sie ein Beispiel? 
Smartcoin ist ein indisches FinTech-Unternehmen, das über seine App Mikrokredite anbietet. Es hilft unterversorgten Teilen der Bevölkerung wie Arbeitern, Kleinunternehmern und jungen Berufstätigen. Bekanntlich trifft eine Krise die Schwächsten leider immer am stärksten. Das gilt auch für diese Menschen. Als der wirtschaftliche Schock der Pandemie sie zu lähmen drohte, beschleunigte Smartcoin die Umsetzung einer Reihe von technologischen Änderungen und Innovationen, um ihnen den Zugang zu Krediten zu erleichtern. Gleichzeitig stellten sie die Leistungsfähigkeit des Unternehmens sicher. Das Ergebnis: Im Vergleich zum Vorjahr konnte Smartcoin ein immenses Wachstum verzeichnen – nicht ein doppeltes, sondern ein dreifaches

Woran liegt das?
Ich denke, das liegt vor allem an den technologieorientierten, skalierbaren Modellen unserer Portfoliounternehmen – viele nutzen Innovationen im Bereich der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz. Oft haben sie Innovationen in Sektoren, die jetzt in den Fokus gerückt sind, bereits umgesetzt und skaliert und sind nun in der Lage, mit dem Nachfragesprung sofort mitzuziehen. Wir haben auch festgestellt, dass Investoren – sowohl private als auch institutionelle – zunehmend daran interessiert sind, Kapital in solche zukunftssicheren High-Impact-Unternehmen zu lenken.

Werden Investoren also altruistischer? 
Nun, das ist das Schöne an Impact Investments: Man kann auf seine Rendite fokussiert sein und trotzdem selbstlose Ziele verfolgen. Mit anderen Worten: Nein, die Investoren sind nicht einfach altruistischer geworden. Ich denke, es liegt zum einen daran, dass Investoren erkennen, dass diese Modelle pragmatische Lösungen bieten und Kapital benötigen, aber auch einfach daran, dass sie attraktive Investitionsmöglichkeiten sind. 

Bografie eines Impact Investors

Pal Erik Sjatil war Managing Partner der Niederlassungen von McKinsey & Company in Europa sowie Senior Partner und Mitglied des Aktionärsrats. Zuvor leitete er die Niederlassungen von McKinsey in Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika und war Managing Partner für Osteuropa und Norwegen.  Er betreute insbesondere Kunden aus den Bereichen Private Equity, Hightech und Telekommunikation und fokussierte sich dabei auf Unternehmensstrategie und organisatorische Transformationen. Pal Erik Sjatil studierte an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie und diente als Offizier in der Königlichen Norwegischen Luftwaffe, bevor er zu McKinsey stiess.

Pal Erik Sjatil
Pal Erik Sjatil, neuer CEO von Lightrock: "Am Ende ist Lightrock auch ein Team von extrem leidenschaftlichen, engagierten Spezialisten, mit denen es Spass macht, zusammenzuarbeiten." © Philipp Böni

Zurück zu Lightrock: Das Unternehmen wird durch die Umstrukturierung von der LGT Group unabhängig. Was ändert sich für Sie? 
Infolge der Restrukturierung sind wir seit dem 1. Januar 2021 eine unabhängige juristische Einheit. Wir sind in Bezug auf die meisten unserer Aktivitäten und Prozesse völlig eigenständig, werden aber weiterhin eng mit LGT Capital Partners und LGT Private Banking zusammenarbeiten.

Wie wichtig ist die Verbindung zur Fürstlichen Familie?
Die Unterstützung durch die Fürstliche Familie und die LGT ist ein starker Anker für das Unternehmen. S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein ist der Gründer und Chairman von Lightrock und prägt in dieser Funktion die Vision und Strategie von Lightrock mit. Die LGT ist unser Hauptinvestor, und unsere aktive Zusammenarbeit wird weiterhin entscheidend für Lightrocks Erfolg sein. 

Eine ganz konkrete Frage: Wie sieht das Angebot von Lightrock für LGT Private Banking Kunden aus? 
Es ist zwar noch zu früh, um im Detail über das Angebot für die Kunden von LGT Private Banking zu sprechen, aber ich kann sagen, dass wir zusammen mit den Experten der LGT ein Portfolio von 26 attraktiven Unternehmen in Europa, Indien und Lateinamerika ausgewählt haben, in das die Kunden der LGT investieren können.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Sie haben den grössten Teil Ihrer bisherigen Karriere beim Unternehmensberater McKinsey verbracht. Was hat Sie zu Ihrem Wechsel zu Lightrock bewogen?
Ich habe mich schon immer leidenschaftlich für Investments interessiert. Bei McKinsey betreute ich Private-Equity-Kunden, die grosse Fonds in Europa verwalteten, und privat besitze ich mehrere Beteiligungen in verschiedenen Regionen. Bei McKinsey habe ich Kunden aus verschiedenen Branchen beraten und viel Erfahrung bei der Beurteilung von Investment-Deals gesammelt. Als CEO und Global Managing Partner von Lightrock habe ich nun das Privileg, Weltklasse-Unternehmer dabei zu unterstützen, Impact im grossen Umfang zu erzielen. Am Ende ist Lightrock auch ein Team von extrem leidenschaftlichen, engagierten Spezialisten, mit denen es Spass macht, zusammenzuarbeiten. 

Globale Impact Investing Plattform

Lightrock investiert direkt in zukunftsorientierte Unternehmen in Afrika, Europa, Indien und Lateinamerika, die drei Investmentthemen verfolgen: "people, planet and productivity/tech for good".

  • Innerhalb des Themas "people" konzentriert sich Lightrock auf Unternehmen, die in den Bereichen Gesundheit und Wohlbefinden, Bildung und Chancen sowie Lebensunterhalt und Zugang zu Finanzmitteln tätig sind. So hat Lightrock beispielsweise in Pharmeasy investiert, eine der grössten technologiebasierten Omnichannel-Gesundheitsplattformen in Indien.
  • In Bezug auf das Thema "planet" interessiert sich Lightrock für Themen wie erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft, Ressourcen- und Kapitalallokation, Mobilität, Transport und Smart Cities sowie nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittel. So haben sie beispielsweise in Infarm investiert, eines der weltweit am schnellsten wachsenden Netzwerke für urbane Landwirtschaft mit mehr als 1'220 installierten Gewächshäusern und Beziehungen zu einigen der grössten Einzelhändlern der Welt wie Wholefoods, Amazon Fresh und Marks & Spencer.
  • Im Bereich "productivity/tech for good" sucht Lightrock nach Unternehmen in den Bereichen Analytik, digitale Infrastruktur sowie Ressourcen- und Kapitalallokation. Eines ihrer jüngsten Investments in Europa ist MessageBird, eine Cloud-Kommunikationsplattform, die die Interaktion zwischen Unternehmen und Kunden revolutioniert. Das Unternehmen hat durch den Cloud-Boom weiteres Aufwertungspotenzial. 

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