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Der Konsument – Chinas Ressource für das wirtschaftliche Comeback?

10. Juni 2020

Lesezeit: 5 Minuten

von Calvin Ha, Investment Strategist LGT

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Die Auswirkungen von Covid-19 haben zu einem dramatischen wirtschaftlichen Stillstand in China geführt. Nach dem Wachstum seit der Krise 2007-2008 könnten die chinesischen Verbraucher jedoch eine wichtige Rolle beim wirtschaftlichen Comeback des Landes spielen, gestützt von drei langfristigen Trends.

Der Blick auf die Lage vor Ort lässt vermuten, dass fast alle verfügbaren Ressourcen eingesetzt wurden, um die Ausbreitung des tödlichen Virus einzudämmen. Die Auswirkungen der Quarantäne und anderer Kontrollmassnahmen spiegelten sich folglich in den Daten zur Industrieproduktion und zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas für das erste Quartal 2020 wider. Die Industrieproduktion fiel im Jahresvergleich um -8,4%, das BIP ging im Jahresvergleich um -6,8% zurück.

Die Exporte waren aufgrund des Handelskrieges zwischen den USA und China bereits schwach. Die Importe von Schlüsselkomponenten für Hochtechnologieprodukte gingen zurück und die Gesamtexporte sanken im März im Jahresvergleich um -13,9%. Sowohl der Verbrauch als auch die Produktion stürzten ab, da Arbeitnehmer und Verbraucher zu Hause blieben. 

Im Vergleich zu anderen grossen Wirtschaftskrisen, wie der asiatischen Finanzkrise (AFC) 1997-1999 und der globalen Finanzkrise 2007-2008, ist Chinas Wirtschaft nun jedoch weniger abhängig von der Auslandsnachfrage. Tatsächlich trug der Konsum seit 2015 in 11 der 16 Quartale um mehr als 60% zum Wachstum des chinesischen BIP bei. Investoren interessiert deshalb, wie sehr die Auswirkungen von Covid-19 den privaten Konsum beeinflussen.

Elektronischer Handel: Chinas wachsende Stärke

Die meisten Nutzer des mobilen Internets sind in China und nirgendwo sonst dürfte die Aktivität in Sachen E-Commerce grösser sein. In den letzten Jahren war das Wachstum der Online-Verkäufe robust und die E-Commerce-Landschaft hat sich rasant entwickelt. Die Pandemie hat das Verbraucherverhalten in China aber erheblich verändert. Da im Land viele nur noch von zuhause arbeiteten, liessen sich die Verbraucher von Restaurants weniger liefern und kochten mehr.

Chinesische Frau mit Mobiltelefon
Der Trend hin zu Luxusausgaben innerhalb Chinas hat sich verstärkt.

Die Verkäufe von Artikeln des täglichen Bedarfs gingen zurück, wobei die Haushalte mehr Reinigungs- und Körperpflegeprodukte kauften. Das zunehmende Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher liess die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten ansteigen.

Laut Alibaba wuchsen beispielsweise die Online-Verkäufe von Vitaminpräparaten in den ersten drei Monaten seit Beginn von Covid-19 im Jahresvergleich um +29%. Produkte zur Stärkung der Abwehrkräfte (Vitamine, Kalzium, Ballaststoffe usw.) verzeichneten mit +59% im Jahresvergleich ein noch stärkeres Wachstum.

Ausblick: Wir erwarten, dass sich der Trend fortsetzen wird und weitere gesundheitsbezogene Produkte und Dienstleistungen aufkommen, die die Nachfrage im Bereich Gesundheit in China weiter stimulieren.

Luxus-Shopping: China holt den Luxuskonsum zurück

Der chinesische Staat hat Einfuhrzölle, Verbrauchssteuern und die Mehrwertsteuer seit Mitte 2015 in mehreren Runden deutlich gesenkt. Das Ziel: das chinesische Wachstumsmodell von einer exportorientierten hin zu einer konsumorientierten Wirtschaft zu entwickeln. Dieser Schritt führte zu niedrigeren Einzelhandelspreisen und verringerte in China die Preisdifferenz bei Luxusprodukten internationaler Marken im Vergleich zum Ausland.

Zudem führte der beginnende Handelskonflikt zwischen den USA und China Mitte 2018 zu einer Abwertung der Währung. Das verlangsamte das Wachstum im chinesischen Auslandsreiseverkehr. Im Zuge der Reisebeschränkungen rund um Covid-19 verstärkte sich der Trend hin zu Luxusausgaben innerhalb Chinas.

Chart: nationality of consumers in luxury market
Quelle: Goldman Sachs, LGT, Mai 2019.

Ausblick: Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Die Verbraucher werden angesichts der sich verringernden Preisunterschiede weniger Anreize haben, im Ausland einzukaufen. 

Demographie: Die alternde Bevölkerung in China

Nach Angaben der Vereinten Nationen wird die Zahl der Älteren in China (über 60 Jahre) von 12% (2010) auf 38% bis 2100 ansteigen. Im Vergleich dazu die Zahlen für 2020: USA (23%), Korea (23%), Grossbritannien (24%), Frankreich (27%), Deutschland (29%) und Japan (34%). Dies bedeutet:

  1. Bis 2030 wird einer von vier Chinesen über 60 Jahre alt sein.
  2. 2050 wird einer von drei Chinesen über 60 Jahre alt sein, ähnlich wie Japan im Jahr 2020.

Der demografische Wandel deutet auf strukturelle Verschiebungen in China in Bezug auf das Konsumverhalten hin. Die künftig über 60-jährigen Chinesen (gebildeter, urbanisierter, wirtschaftlich unabhängiger und gesundheitsbewusster) könnten mehr Geld ausgeben wollen – und über eine höhere Kaufkraft verfügen – als dieselbe Altersgruppe von heute.

China couple
Die künftig über 60-jährigen Chinesen: gebildeter, urbanisierter, wirtschaftlich unabhängiger und gesundheitsbewusster.

Ausblick: In dem Masse, wie das Einkommensniveau steigt und sich die Demographie verändert, verlagern die chinesischen Verbraucher ihre Ausgaben unserer Einschätzung nach in Richtung Lifestyle und zu Dienstleistungen. Im Allgemeinen scheinen sie in Hochwertiges investieren zu wollen und höhere Preise für das zu akzeptieren, was ihre Lebensqualität verbessert.

Covid-19 hat in dieser Hinsicht nur begrenzte Auswirkungen. Dagegen könnte die mit der Pandemie verbundene finanzielle Unsicherheit den persönlichen Konsum bremsen. Der Trend hin zu Hochwertigerem könnte sich deshalb langsamer entwickeln als bisher erwartet.

Demographische Verteilung in China nach UN-Angaben.

Zusammenfassung

Wenn sich die Wirtschaft vom derzeitigen Tief erholt, wird der Konsum innerhalb Chinas vermutlich eine dominantere Rolle spielen; und China ist vermutlich in einer besseren Position, externe Schocks zu verkraften.

In der Tat haben die staatlichen Stellen unterstrichen, dass die chinesischen Verbraucher für die Wirtschaft wichtiger werden. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Schwerpunkt der Fördermassnahmen nicht mehr auf der Infrastruktur liegt, sondern eher auf dem Konsum.

Nichtsdestotrotz hat Covid-19 in diesem Bereich der Wirtschaft seine Spuren hinterlassen und auch der Dienstleistungssektor erholt sich wegen des Lockdown langsam. Die Eindämmungsmassnahmen könnten in den kommenden Monaten weiterhin für Unsicherheit sorgen. Daher dürfte die Stabilisierung des Arbeitsmarkts, und damit des Binnenkonsums, für die politischen Entscheidungsträger Chinas oberste Priorität haben.

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