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Inflation der Realwerte: vom Regen in die Traufe

28. Januar 2021

Lesezeit: 5 Minuten

von Thomas Weibel, Gastautor

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Häuser, Gold, Kunst: Sachwerte schützen vor der Inflation, lehren uns die Geschichte und die Erfahrung. Doch die Sache hat einen Haken, und der heisst „Vermögenspreisinflation“.

Es ist das wohl eingängigste Gesetz des Marktes, und es ist so alt wie die Erfindung des Geldes: Begehren viele dasselbe Gut, kann dessen Anbieter mehr Geld dafür verlangen, und das Gut wird teurer. Fast ebenso eingängig: Kosten viele Güter mehr als zuvor, spricht man von Inflation. Die Inflation ist niederträchtig: Sie entwertet schleichend Löhne, Renten und Ersparnisse. Für einen Franken, einen Euro oder einen Dollar kann man morgen weniger kaufen als heute. Die Geldentwertung verstärkt sich zusätzlich, wenn der verschuldete Staat auf einen Schlag viel neues Geld in Umlauf bringt. Weil das Geld und damit auch die Kredite billiger werden, wächst die Nachfrage nach Waren und Leistungen zusätzlich – und damit steigen die Preise weiter. Erreicht die Inflation am Ende schwindelnde Höhen wie im Deutschland, Liechtenstein und Österreich der Zwischenkriegsjahre, führt sie in den Ruin: Der Wäschekorb, in dem man 1923 das Papiergeld zum Händler trug, war mehr wert als sein Inhalt.

Sachwerte als rettende Insel

Doch es scheint einen Ausweg zu geben: der Kauf eines kostspieligen Guts, das im Idealfall gar die Alltagsausgaben entlastet, eine Wohnung oder ein Haus etwa. Eine Liegenschaft ist ein Sachwert und als solcher dem Wertzerfall des Bargelds nicht länger ausgesetzt. Der Investor kann damit rechnen, dass sein investiertes Geld den Wert mindestens behält, wenn nicht gar auf lange Frist vermehrt. Mit Immobilien, Gold, Kunstwerken, Antiquitäten, Uhren oder Schmuck, so will es das ökonomische Küchenlatein, lässt sich Geld gut anliegen, weil es vom Geldwertzerfall nicht länger betroffen ist.

Nur ist es mit dem Küchenlatein so eine Sache. Der Plan, zu investieren, hat zwar jahrhundertelang gut funktioniert, doch heute weist er zwei grundlegende Denkfehler auf. Menschen sind wohlhabender als je zuvor in der Geschichte. Und als aufgeklärte Bürger wissen sie auch besser Bescheid als je zuvor. Mit anderen Worten: In einer Wohlstandsgesellschaft können sich auf einmal viele Bürger Investitionen leisten, und in einer Informationsgesellschaft wissen sie über die Befindlichkeiten der Märkte und über Fluchtmöglichkeiten aus dem Bargeld Bescheid. Also beginnt sich auch hier das Inflationskarussell zu drehen: Die Vermögenspreise steigen. Und so folgt die sogenannte Vermögenspreisinflation der herkömmlichen Güterpreisinflation auf dem Fusse; der Anleger kommt vom Regen in die Traufe.

Inflation in Berlin 1923: Männer bringen Gold in Körben zur Bank. © GettyImages, Bettmann
Inflation in Berlin 1923: Männer bringen Gold in Körben zur Bank. © GettyImages, Bettmann

Zu hohe Risikobereitschaft

Was also tun? Im ersten Szenario bleibt das Vermögen Bargeld und damit der Inflation ausgesetzt. Im zweiten Szenario werden Sachwerte gekauft, der gestiegenen Nachfrage wegen aber zu überhöhten Preisen, was ebenfalls einen Teil der eingesetzten Gelder auffrisst. Optimal dagegen wäre Szenario Nummer drei: Investiert wird noch vor Ansteigen der Güterpreisinflation und vor der damit einhergehenden Nachfragesteigerung nach Sachwerten; verkauft wird, bevor die entsprechende Blase platzt. Mit dem erzielten Gewinn hat der Investor der Vermögenspreisinflation erfolgreich ein Schnippchen geschlagen. Weil der Gewinn aber wieder als Bargeld vorliegt, lauert um die Ecke schon wieder die ganz normale Güterpreisinflation. Eine Flucht vor beiden Inflationen kann nur dann gelingen, wenn rechtzeitig investiert, rechtzeitig verkauft und rechtzeitig wieder konsumiert wird. Ein solch ideales Timing aber bleibt nur allzu oft Glückssache.

Dieser Artikel wurde erstmals auf dem Finanzblog der LGT veröffentlicht, der im ersten Quartal 2021 eingestellt wird.

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