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Digital gegen real?

18. Mai 2020

Lesezeit: 5 Minuten

von Dr. Johann Kräftner, Direktor Fürstliche Sammlungen

Die Unbesiegbaren Teresa Feodorowna Ries

Aufgrund der Pandemie wird Kunst zunehmend digitalisiert. Kann man die Werke so noch erleben?

Die wirkliche Welt verschwindet und wir müssen uns in unser Zuhause zurückziehen. So sind auch die Museen verschlossen; in Österreich hatte es fast den Anschein, als würden sie das für lange Zeit bleiben, nachdem sich die Direktoren der führenden Institutionen darauf geeinigt hatten, erst im Juli wieder zu öffnen. Für die Wiener allein, für die Österreicher, für die Steuerzahler also, für die wenigen alten Menschen, die es wagen würden, zu kommen, für die paar Kinder würde es sich erst gar nicht rechnen.

Wer Kunstwerke erleben will, soll das digital absolvieren ist im Augenblick die Devise, auf Phones und Tablets, auf mehr oder weniger grossen. Digitale Welt gegen die reale heisst momentan der brutale Kampf, zwei ganz unterschiedliche Kosmen werden da gegeneinander ausgespielt.

Hier soll eine Lanze für das Original gebrochen werden: Die Aura, die Raffinesse, die verborgenen Qualitäten, das Kunstwerk als in Materie gefasstes Abbild des Lebens wird man immer nur vor dem Original erfahren können, das deshalb auch für immer und ewig für den Betrachter erreichbar sein muss.

Die Symphonie eines bedeutenden Kunstwerkes, seinen spezifischen Klang, seine Aura wird man nur vor dem Original erleben und begreifen können.

Dr. Johann Kräftner, Direktor Fürstliche Sammlungen

Man erhält keinen Zugang zur Kunst, indem man Kirchen mit gruseligen Kopien von Kunstwerken zumüllt und damit entweiht, wie das zuletzt in der Wiener Votivkirche passiert ist. Mit dem Beitrag, mit dem Beifall öffentlicher Förderungen und Meinungsmacher. Dort wurden vollkommen aus jedem Zusammenhang gerissen monumentale Kopien grosser Kunstwerke präsentiert, die an diesem Ort komplett ihrer Aura beraubt worden sind, wie das Jüngste Gericht Michelangelos in waghalsig aus dem Kontext gerissenen Details der Sixtinischen Kapelle.

Aber: Mit Hilfe digitaler Medien kann man viele Erkenntnisse zur Genese des Kunstwerks, der Welt, in der es entstanden ist, zu seinem Künstler, zu seiner Geschichte, zu seinem späteren Schicksal, zu seiner Restaurierung erfahren. Da können die digitalen Medien, ein App, das diese Welten erklärt, wunderbare Hilfestellung leisten.

Man wird damit viel Basiswissen zugänglich machen können und jeder, auch wenn er noch so beschlagen ist, kann aus den unendlichen Tiefen der elektronischen Medien auch immer wieder unendlich viel Neues erfahren.

Trotzdem: Die Symphonie eines bedeutenden Kunstwerkes, seinen spezifischen Klang, seine Aura wird man nur vor dem Original erleben und begreifen können, wenn man es aus unterschiedlichen Winkeln und Perspektiven sieht, wenn man es umschleichen kann, wenn man es in verschiedenen Lichtsituationen, in ganz unterschiedlichen Stimmungen erleben kann.

Deshalb kann ich nur daran appellieren, dass wir solch grosse Kunstwerke gerade jetzt, wo wir die Phantasie, die Anregung, den Mut und die Kreativität ganz dringend brauchen, um die Krise zu überwinden, wieder möglichst bald, möglichst hautnah und direkt erleben können.

Auf dieses Erlebnis kann man sich, ja soll man sich in der guten Stube vorbereiten und dort möglichst viel von den offen liegenden Informationen zu einem Kunstwerk verinnerlichen, um dann vor dem Original die Grösse des Werks umso eindringlicher geniessen zu können.

Bild: Image: Keystone SDA / Apa / Georges Schneider

Dieser Beitrag ist erstmals im Jahr 2015 im LGT Kundenmagazin CREDO erschienen.

Ganz im Sinne ihrer Eigentümerfamilie engagiert sich die LGT stark für die Förderung von Kunst und Kultur. So sponsert sie die Fürstlichen Sammlungen und unterstützt die zahlreichen Sonderausstellungen in der ganzen Welt.

Vor Ihrem nächsten Museumsbesuch können Sie die Kunstwerke auch zu Hause erleben: Laden Sie die MAG/NET App in Ihrem App oder Google Store herunter und entdecken Sie Kunst neu.

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