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Luxusmode: Teuer bedeutet nicht fair

24. August 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Simon Usborne, Gastautor

luxury fashion sustainable burberry

Billige Mode ist eine Katastrophe für die Umwelt, aber Luxusmode ist nachhaltig? Nicht ganz. 

Es war eine scheinbar harmlose Zeile in Burberrys 200-seitigem Jahresbericht. Das Dokument verkündete 2019 nicht nur mehr als 2,7 Milliarden GBP an Jahreseinnahmen, sondern enthüllte gegen Ende auch, dass das britische Luxusmodehaus unverkaufte Produkte im Wert von 28,6 Millionen Pfund vernichtet hatte. Sie waren, wie Burberry später bestätigte, verbrannt worden.

Als ein adleräugiger Beobachter die Enthüllung entdeckte, folgte die Verurteilung schnell. Das war ein dreistes und ökologisch rücksichtsloses "Feuer der Eitelkeit", so ein Zeitungskolumnist. Es gab Boykottaufrufe und Forderungen im britischen Parlament, solche Verschwendung zu verbieten.

Es stellte sich schnell heraus, dass das Verbrennen einwandfreier Lagerbestände eine weit verbreitete Industriepraxis war. Sie verhindert, dass Überschüsse zu billig verkauft werden und wertvolle Marken verwässern. Die Debatte weitete sich aus. Wir wissen, dass "Fast Fashion" und T-Shirts, die weniger als eine Tasse Kaffee kosten, eine Katastrophe für die Umwelt sind. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auch zunehmend auf die Nachhaltigkeit im Luxusbereich des Marktes.

Der Druck steigt

"Die Dinge ändern sich, aber nicht schnell genug", sagt David Ravel, Vermögensverwalter der LGT Vestra mit Sitz in London und Gründer der "Sustainable Textiles Alliance". Ravel, dessen Vater und Grossvater in der Textilbranche tätig waren, stiess 2016 zur LGT Vestra und sah Potenzial darin, den Kunden positive Auswirkungen ihrer Investments aufzuzeigen.

Klimawandel Pharmazie Investment investieren
David Ravel ist Vermögensverwalter bei der LGT und Gründer der "Sustainable Textiles Alliance".

Er gründete die "Sustainable Textiles Alliance" 2017 und arbeitet seither mit Designern und Unternehmen zusammen, darunter dem multinationalen Faserhersteller Lenzing, der Zellulose, einen wiederverwertbaren natürlichen Bestandteil aus Holz, herstellt. Ravel sagt, dass Luxusmode, einschliesslich Couture, sowohl einzigartige als auch weitläufig bekannte Bedrohungen für die Umwelt darstellt. 

Markenschutz ist nur eine dieser Bedrohungen in einer Industrie, die die Nachfrage nach Lagerbeständen vorhersagen muss, während sie nach streng definierten Jahreszeiten arbeitet und sich ständig auf künftige Trends konzentriert. "Oft ist ein Muster wiedererkennbar und kann daher nicht weggegeben und wiederverwendet werden. Daher die altmodische Methode des Verbrennens", fügt Ravel hinzu.

Weit verbreitet ist die Fehleinschätzung, dass Designer-Marken automatisch hohe ethische Standards haben. "Die Leute denken, 'Billige Mode ist schlecht, Luxusmode bedeutet Qualität", sagt Professor Rebecca Earley, eine Designforscherin an der University of the Arts London und Ko-Direktorin des Centre for Circular Design am Chelsea College of Arts. "Aber wenn man sich die Lieferkette genau ansieht, ist sie oft immer noch sehr problematisch."

Ein gewisses Mass an Nachhaltigkeit ist aber doch in die Couture und Designermode eingenäht; die hochwertigen Materialien und die aufwändige Herstellung zielen auf langlebige Kleider ab. "Aber schauen Sie sich das Portfolio unterhalb dieses Preisniveaus an. Selbst Luxusmarken bieten alles an, von Kappen über T-Shirts bis hin zu fast touristischen Produkten", sagt Earley. "Diese werden immer noch unter 'schnellen' Bedingungen produziert und haben die gleiche Wirkung wie Wegwerfmode".

Luxus Mode nachhaltig
Selbst Luxuskleidung wird nicht immer nachhaltig produziert.

Luxusmarken nutzen oft auch die gleichen Lieferanten, Fabriken und Vertragspartner wie grosse Modemarken, mit den gleichen Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen und die Umwelt; beispielsweise im Falle des wasserintensiven Baumwollanbaus in Ländern mit extremer Wasserknappheit.

Es gibt oft wenig Anreiz, es besser zu machen. "Die lineare Produktion mit Neumaterialien ist rentabel, und das Modegeschäft baut auf diesem Modell auf", fügt Earley hinzu. "Viele Forschungs- und Innovationsagenturen entwickeln neue Visionen, aber die Marken sagen: 'Ja, das ist interessant, aber wir haben so viel Geld verdient, warum sollten wir etwas ändern?"

Doch selbst Earley sagt, es gebe positive Entwicklungen. Der Druck geht immer mehr von den Konsumenten aus, da sich die Industrien im Zeitalter der Klimakrise, der Plastikverschmutzung und einflussreicher Aktivisten wie Greta Thunberg neu erfinden müssen.  

Eine erstaunliche Entwicklung

"Diese neue Generation ist am Start – die Kinder wohlhabender Familien – und sie wollen wirklich wissen, wie nachhaltig alles ist", sagt Ravel. "'Ist dieser Pelz echt? Warum verwenden Sie hier Kaschmir? Wir sehen definitiv eine Veränderung."

 Ravel glaubt, dass dies zum Teil den Aufstieg von Verleihfirmen unter Designern wie HURR, Cocoon und Rotaro am oberen Ende des Marktes erklärt, ebenso wie Depop, das inzwischen weltweit mehr als 15 Millionen Nutzer hat und Kleidung wiederverwenden, die sonst weggeworfen werden könnte.

Yak Wolle nachhaltig
Yakwolle ist die grüne Alternative zu Kaschmir.

Auch in der Designermode wird es einfacher und sozial akzeptierter, nachhaltigere Materialien zu beschaffen und zu verkaufen – und zu tragen. Yakwolle zum Beispiel wird seit einiger Zeit als Alternative zu Kaschmir angebaut, der von Ziegen stammt, die hohe Ansprüche an empfindliche Ökosysteme stellen.

Christopher Raeburn war ein Pionier nachhaltiger Luxusmode, lange bevor sie "in" wurde. Seit mehr als 15 Jahren produziert er hochwertige Kleidung mit Luxusästhetik und -qualität, während er gleichzeitig alle Materialien wiederverwendet. 

"Als ich anfing, gab es dieses Narrativ und das Vokabular für verantwortungsbewusstes Design noch nicht", sagt der Londoner Designer. "Jetzt steht es im Zentrum vieler Unternehmensstrategien. Das ist eine erstaunliche Entwicklung in relativ kurzer Zeit."

Unternehmen wie Lenzing liefern sich ein Wettrennen um die Entwicklung von Fasern und Prozessen, die den bisherigen Kreislauf von Neuware und Abfall revolutionieren. Die Preise fallen. Vor zehn Jahren musste Raeburn noch 50% mehr für recycelte Stoffe und Materialien zahlen. "Jetzt kostet beides in den meisten Fällen dasselbe", fügt er hinzu.

Nichts spricht lauter als Geld

Raeburn sagt, es gebe noch viel zu tun – sowohl Handlungen als auch Worte – und man müsse sich stärker auf den Kreislauf konzentrieren. "Es geht nicht nur darum, Dinge aus recyceltem Material herzustellen, sondern auch darum, sie wiederverwertbar zu machen", erklärt er.

Ravel sagt, dass die Lieferketten erst reifen müssen, damit die Wettbewerber ihre Ressourcen zusammenlegen und mit vorhandenen Materialien handeln, anstatt beispielsweise ungenutzte Stoffe einzumotten oder zu zerstören, noch bevor sie in eine Produktionslinie gelangen.

Burberry Mode verbrennen nachhaltig
Statt sie zu verbrennen, spendet Burberry unverkaufte Kleidung.

Wie der Fall Burberry zeigt, sind Kontrolle und Transparenz oft nötig, um Unternehmen zu einem Kurswechsel zu bewegen. Earley hat ein gewisses Vertrauen in verschiedene Indizes, die Marken basierend auf ihrer Verpflichtung zu Ethik und Transparenz zertifizieren. Die Legislation kommt langsamer voran, obwohl Frankreich Anfang des Jahres ein Gesetz verabschiedete, das unter anderem die Vernichtung unverkaufter Lagerbestände verbietet.

Burberry hat unterdessen den Skandal nicht einfach überstanden. Er versprach, die Vernichtung unverkaufter Lagerbestände zu stoppen und sagte, er werde sie stattdessen wiederverwenden, reparieren, spenden oder recyceln. "Moderner Luxus bedeutet, sozial und ökologisch verantwortlich zu sein", sagte Marco Gobbetti, der CEO des Labels, der hoffte, dass andere die gleiche Änderung vornehmen würden.

Bemerkenswert ist, dass es nicht nur ein öffentlicher Aufschrei war, der Burberrys Versprechen, es besser zu machen, vorangetrieben hat. Die Aktionäre des Unternehmens brachten ihren Schock über das Verbrennen zum Ausdruck. Wenn Veränderungen schnell geschehen müssen, spricht am Ende nichts schneller als Geld.

Unternehmerische Verantwortung

Ressourcenverschwendung im Namen der Mode ist nicht das einzige Umweltproblem, mit dem die Welt derzeit zu kämpfen hat. Wenn wir es nicht schaffen, unsere CO2-Emissionen in den nächsten Jahren massiv zu verringern, rechnen Experten mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit. Die LGT ist davon überzeugt, dass alle ihre gesellschaftliche und unternehmerische Verantwortung wahrnehmen und einen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft leisten müssen. So schliesst die LGT seit diesem Jahr beispielsweise Unternehmen gruppenweit aus ihrem Anlageuniversum aus, die am Abbau von Kohle zur Energieerzeugung beteiligt sind.

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