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Signifikanter Einbruch

10. August 2011
Das Ausbleiben glaubwürdiger Lösungen für die Schuldenprobleme in den USA und Europa hat einen Kreislauf von potenziell sich selbst erfüllenden düsteren Prophezeiungen in Gang gesetzt. Der Ausblick ist unsicherer geworden, die Chance auf eine rasche und volle Erholung des Vertrauens gesunken. Wir haben daher beschlossen, unsere Aktienquoten zu reduzieren.

Verkaufswelle wachstumsabhängiger Finanzanlagen
Die angesichts der amerikanischen und europäischen Schuldenprobleme seit Wochen spürbare Nervosität hat sich gegen Ende der vergangenen Woche in Form einer grossen globalen Verkaufswelle von Aktien und Rohstoffen zugespitzt. Die Konjunkturdaten der letzten Monate haben enttäuscht und es ist klar, dass im Falle einer erneuten Rezession in den meisten grossen Volkswirtschaften kein Spielraum für fiskalische Gegenmassnahmen mehr gegeben ist. Der Weltaktienindex MSCI World ist seit letzten Mittwoch um 10 Prozent eingebrochen, nach einem vergleichsweise normalen Verlust von 6 Prozent in der vorangegangenen Woche. So sind die meisten grossen Börsenindizes aus technischer Sicht derart stark eingebrochen, dass ein Abbruch der seit 2009 anhaltenden Hausse möglich erscheint.

Zu glaubwürdigen langfristigen Kompromissen unfähig
Im Vorfeld des Ausverkaufs hatte es die US-Politik nicht geschafft, sich auf eine glaubwürdige Haushaltskonsolidierung zu einigen, während die Euro-Krise auf Italien und Spanien überschwappte. Die Märkte brachen beschleunigt ein, nachdem die grosse Rating-Agentur Standard & Poor’s die langfristige US-Schuldnerbewertung von AAA auf AA+ herabstufte. Verspätet beschloss die Europäischen Zentralbank, italienische und spanische Anleihen zu kaufen, was das allgemeine Vertrauen in die Märkte nicht mehr zu stärken vermochte. Sowohl in den USA als auch in Europa gab es Rahmenvereinbarungen über die jeweiligen Schuldenprobleme. In beiden Fällen blieben jedoch viele wichtige Fragen unbeantwortet. So soll der Grossteil der Einsparungen in den USA zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden, wobei viele Massnahmen umstritten bleiben. Der Gesamtumfang des Sparpakets wurde zudem nicht nur von S&P als zu klein beurteilt. Die praktische Bedeutung des S&P-Downgrades mag vernachlässigbar sein. Wichtiger sind die damit zum Ausdruck gebrachten Zweifel an der Fähigkeit der US-Politik, in wichtigen Fragen praktikable und langfristige Lösungen zu finden.

Verspätete Intervention zur Stützung Italiens und Spaniens
Uneinigkeit gibt es auch in Europa, wo wichtige Entscheidungen ebenfalls aufgeschoben wurden. Kürzlich wurde beschlossen, die Befugnisse des Euro-Rettungsschirms deutlich auszubauen. Zusätzliches Kapital wurde jedoch nicht bereitgestellt, wodurch der Entscheidung die notwenige Glaubwürdigkeit verwehrt blieb. Parteipolitische Streitereien in Italien und die in den Kernländern spürbare Ablehnung von Finanzhilfen für schwache Mitgliedsstaaten stellen weitere Hindernisse für eine gemeinsame Lösung dar. So sind in Spanien, Italien und Belgien die staatlichen Refinanzierungskosten im Laufe der letzten Wochen weiter gestiegen – im Gegensatz zur Entwicklung in allen anderen Industrieländern. Amerikanische, deutsche, britische und japanische Anleihenrenditen sind inzwischen auf Niveaus gesunken, die eine Rezession, vielleicht sogar eine deflationäre Depression, signalisieren.

Aktienmärkte dürften unter Druck bleiben
Das Konjunkturumfeld hat sich seit Juni, als wir unsere Anlagepolitik für das aktuelle Quartal festlegten, tatsächlich etwas verschlechtert. Ein Abgleiten in eine Rezession bestätigen die Daten jedoch immer noch nicht. Allerdings können Märkte ihre eigene Realität schaffen. Erwartungshaltungen können sich selbst verstärken und eine Abwärtsspirale von potentiell sich selbst erfüllenden Prophezeiungen in Gang setzen. Solche Zyklen können nur durch aussergewöhnliche Massnahmen unterbrochen werden – wie der gestrigen Ankündigung der US-Notenbank, die Zinsen für mindestens zwei weitere Jahre nahe bei Null zu halten. Leider haben wir in den letzten Jahren bereits einige solcher Massnahmen erlebt und der Spielraum für weitere fiskalpolitische Grosszügigkeit ist geschrumpft. Es ist daher wahrscheinlich, dass die neuen Massnahmen weniger wirksam sein werden als in der Vergangenheit. Der jüngste Markteinbruch war so gross, dass es den Wirtschaftsbehörden gelingen dürfte, die Märkte einigermassen zu stabilisieren, zumal wir immer noch keine Rezession haben und viele Unternehmen finanziell und operativ stark sind. Ob die neuen Massnahmen in den nächsten Wochen und Monaten zur notwenigen stetigen Aufhellung des Wirtschafts- und Marktumfelds beitragen werden, bleibt aber abzuwarten. Wir glauben, dass Unsicherheiten über den Ausblick noch eine Weile anhalten und die Märkte wieder belasten werden. So haben wir entschieden, unsere Aktienexponierung auf eine untergewichtete Position zu reduzieren.